So tief ist es in mir verankert, wenn ich Gefühle wie Widerstand und Wut in mir spüre, dass ich mich so nicht mag. Ich bin wütend auf mich, dass ich es nicht anders hin krieg, dass ich mich dem nicht hingeben kann, es nicht einfach vergessen kann, die Vergangenheit nicht endlich abschliessen kann.
Nein, ich will mich gut und glücklich fühlen. Ich möchte mich dauerhaft geliebt fühlen.
Ich sollte mir doch diese Liebe selbst schenken können ohne andere zu brauchen. Ich sollte doch endlich erwachsen werden.
Wenn ich einen Schritt zurück nehme und aus der Distanz schaue, die Verklebung etwas löse, die Identifikation mit Gefühlen und Gedanken löse und tiefer sinken kann, was fühle ich dann?
Ja, ich sehe, da spricht das Kind aus mir. Ein Kind, das nicht bekommen hat, was es gebraucht hätte und das wütend ist und nicht mehr will.
Ich sehe das Über Ich, den Richter oder inneren Kritiker, der mich lieblos behandelt und Druck macht, mich doch anzustrengen, dass ich es doch endlich hin krieg. So ist etwas falsch in mir.
So oder ähnlich spielt es sich in mir und wahrscheinlich in fast jedem Menschen ab. In dieser inneren Welt von Opfer und Täter sind wir so oft gefangen und finden keinen Weg raus.
Doch wie einfach wäre es, mich so in den Arm zu nehmen und mich mit den Gefühlen der Wut, des Widerstandes da sein zu lassen? Einfach mit einem verständnisvollen gütigen Blick auf mich zu schauen, mich zu halten anstatt mich weg zu stossen?
Mich einfach so zu lieben, da wo ich mich nicht mag?
Stattdessen gehen wir in den Kopf, suchen nach Lösungen, suchen nach der Ursache und nach Beruhigung in spirituellen Konzepten.
Doch das ist meist nur eine Ablenkung, um den Schmerz nicht zu fühlen, der hinter dem Widerstand und der Wut steckt.
Wir sind so sehr konditioniert, den Schmerz, die Hilflosigkeit, das Schwache zu verurteilen und zu verdrängen.
Doch wenn wir die schwachen Anteile fühlen und da sein lassen, wird es weich und entspannt sich etwas in uns.
Wenn wir es aussprechen und jemanden mitteilen können, kann sich weiter etwas in uns öffnen.
Versteckter Stolz und Scham können in so einem Moment verbrennen.
Der innere Kampf im Kopf kann zur Ruhe kommen.
Wir sehen, dass wir es überleben und dass es anders ist als wir dachten.
Die Liebe heilt und sie ist so nah.
Halten wir nicht an einem kindlichen Idealbild von Liebe fest?
Wer sagt, dass wir die Liebe verdienen? Wer sagt, dass wir sie immer fühlen müssten? Wer sagt, dass das Elend auf dieser Welt keine Berechtigung hat?
Das innere Kind will in seiner heilen geschützten Welt bleiben und keinen Schmerz empfinden. Es möchte versorgt werden und bekommen, was es braucht. Es möchte geliebt werden. Ein Kind kann nicht allein sein und braucht einen Erwachsenen, es ist abhängig von anderen Menschen.
Es sieht sich als Opfer und gibt anderen die Schuld.
Mein Lehrer sagt, der Grossteil der Erwachsenen lebt in seiner kindlichen Welt. Erst die Bewusstwerdung darüber, dass es so ist, kann uns in ein erwachsenes Bewusstsein führen.
Der Erwachsene möchte wachsen und sich entfalten, möchte Neues erleben, in die Welt gehen und die Komfortzone verlassen. Er ist bereit, seinen tiefsten Ängsten, Unsicherheiten und Schmerzen zu begegnen und möchte Liebe schenken. Er ist fähig, allein zu sein, tiefer zu schauen und zu fühlen und über sich hinaus zu gehen. Er übernimmt Verantwortung für die Welt, die in seinem Geist erschaffen und erkennt, dass er seine Realität selbst erschaffen hat. Er braucht keine Schuldzuweisung und Opfer- und Täterkultur.
Ein Erwachsener möchte die Seele kennenlernen, reifen und seiner grössten Angst vor dem Tod begegnen. Er möchte Transzendenz erfahren.
In welchen Bereichen deines Lebens begegnest du deinen kindlichsten Anteilen?